June 1, 2026

Ein Projekt für zwei gefährdete Feldvogelarten

Im baden-württembergischen Donauried entsteht bei Niederstotzingen ein neues Feldvogel-Habitat. Auf einer ehemaligen Ackerfläche wird ein Biotopmosaik aus artenreichem Grünland, mehrjährigen Buntbrachen und lockeren Niederhecken entwickelt, um vor allem Grauammer und Rebhuhn wieder dauerhaft Lebensraum zu geben.

Ein Projekt für zwei gefährdete Feldvogelarten

In vielen Agrarlandschaften sind die Lebensräume für Feldvögel in den letzten Jahrzehnten stark zurückgegangen. Das zeigt sich besonders bei Arten, die auf eine strukturreiche, offene Feldflur angewiesen sind. Genau hier setzt das Projekt „Feldvogel Habitat Donauried“ an: Es schafft neue Brut- und Nahrungsräume für zwei Arten, die in vielen Regionen inzwischen selten geworden sind.

Grauammer (Emberiza calandra)

Die Grauammer ist eine typische Art der offenen Kulturlandschaft. Sie brütet am Boden und ist deshalb auf Flächen angewiesen, die gleichzeitig offen genug für die Nahrungssuche sind und genug Deckung bieten, damit Nester und Jungvögel geschützt sind. Besonders wichtig sind zudem einzelne erhöhte Strukturelemente wie Stauden, niedrige Sträucher oder lockere Gehölze, die als Singwarten dienen.

Durch die Intensivierung der Landwirtschaft sind solche Mosaiklandschaften vielerorts seltener geworden. Häufige Bodenbearbeitung, frühe Mahd oder ein insgesamt geringer Anteil an Brachen und Säumen erhöhen den Druck auf Bodenbrüter deutlich. Für Projekte wie das Feldvogel-Habitat bedeutet das: Entscheidend sind späte bzw. angepasste Pflegeschritte und das Vorhandensein von dauerhaft strukturgebenden Bereichen, in denen Brut und Aufzucht störungsarm möglich sind.

Rebhuhn (Perdix perdix)

Das Rebhuhn ist eine Charakterart der Feldflur und braucht ein kleinteiliges, vielfältiges Mosaik aus Deckung und offenen Bereichen. Als Bodenbrüter ist es besonders anfällig, wenn Felder großflächig homogen sind und Rückzugsräume fehlen. Wichtig sind daher Strukturen wie Altgrasstreifen, Brachen, krautige Säume und blütenreiche Bereiche, die Schutz bieten und Wege durch die Landschaft „lesbar“ machen.

Ein weiterer Schlüssel ist das Nahrungsangebot für die Küken: In den ersten Lebenswochen sind Insekten entscheidend. Wo Blühpflanzen, Kräuter und strukturreiche Vegetation fehlen, sinkt die Insektenbiomasse deutlich und damit auch die Überlebenschance der Jungvögel. Maßnahmen, die blütenreiche Brachen und extensives Grünland kombinieren, wirken deshalb doppelt: Sie schaffen Deckung und erhöhen gleichzeitig die Basis des Nahrungsnetzes.

Wo liegt das Feldvogel-Habitat?

Das Projekt liegt bei Niederstotzingen im Landkreis Heidenheim in Baden-Württemberg. Die Fläche befindet sich im Vogelschutzgebiet „Donauried“ und damit in einer Landschaft, die weit über die Region hinaus für ihren Naturwert bekannt ist.

Das Donauried ist geprägt von Wasser: Grundwasser tritt vielerorts an die Oberfläche, gespeist durch Karstwasser aus der Schwäbischen Alb und den Rückstau der Donau. So entstand eine ausgedehnte Niederungslandschaft mit Moor- und Feuchtbereichen, die für viele Vogelarten eine Schlüsselrolle spielt. Heute ist die Umgebung eine halboffene Kulturlandschaft aus Grünland, Ackerflächen, Gräben, Feuchtwiesen und verbliebenen Niedermoorresten – ein Raum, in dem Naturschutz und Landwirtschaft eng miteinander verwoben sind.

Ausgangszustand: Ackerfläche

Die Projektfläche war im Ausgangszustand konventionell bewirtschaftetes Ackerland. Für Feldvögel bedeutet das häufig: wenig Deckung, wenig Insektennahrung, wenige sichere Brutplätze und kaum Strukturen, die über die Saison hinweg stabil bleiben. Ziel des Projekts ist deshalb eine langfristige Umwandlung in ein dauerhaftes Biotopmosaik, das mehrere Bedürfnisse gleichzeitig abdeckt: Brut, Nahrung, Rückzug und Überwinterung.

Was passiert auf der Fläche? Das Maßnahmenkonzept im Überblick

Auf rund 2,9 Hektar entsteht ein Mosaik aus drei Bausteinen, die bewusst so kombiniert werden, dass zu jeder Jahreszeit geeignete Strukturen vorhanden sind und Brutzeiten in der Bewirtschaftung berücksichtigt werden.

1. Artenreiches Grünland

Ein zentraler Teil der Fläche wird zu artenreichem Grünland entwickelt, genauer zu einer artenreichen Fettwiese mittlerer Standorte. Das bedeutet: keine Düngung, eine angepasste, naturverträgliche Mahd und ein Management, das Strukturvielfalt erhält.

Wichtiges Element sind Altgrasstreifen (ca. 5–10% der Fläche), die als Rückzugsräume dienen – für Insekten, Kleinsäuger und bodenbrütende Vögel. Solche „stehen gelassenen“ Bereiche helfen dabei, dass auch nach der Mahd weiterhin Deckung und Nahrung verfügbar bleibt.

2. Mehrjährige Ackerbuntbrachen

Zwei Bereiche werden als mehrjährige Buntbrachen angelegt, mit unterschiedlichen Saatmischungen:

  • feldvogelorientiert (mit Fokus auf Deckung und Struktur)
  • bestäuberfreundlich (mit Blühangebot und Regiosaatgut)

Damit die Brachen ihre Funktion über Jahre behalten, werden sie alternierend gepflegt und gestaffelt erneuert. Das sorgt dafür, dass nicht „alles auf einmal“ verschwindet, sondern ein Wechsel aus jungen, lückigen und älteren, dichteren Bereichen entsteht – ein entscheidender Punkt für Feldvögel und Insekten.

3. Lockere Niederhecken als Strukturgeber

Als dritter Baustein kommen lockere Niederhecken hinzu. Sie werden bewusst so angelegt, dass sie Struktur in die Fläche bringen, ohne eine starke „Kulissenwirkung“ zu erzeugen. Geplant ist ein lockerer Pflanzverband (ca. 3–4,5 m) mit einer Zielhöhe von ungefähr 1,5–2 m. Pflegearbeiten erfolgen abschnittsweise im Winterhalbjahr.

Für Arten wie die Grauammer sind solche Elemente besonders wertvoll, weil sie Singwarten und Deckung bieten, während die Fläche insgesamt weiterhin offen bleibt.

Warum Grauammer und Rebhuhn von genau solchen Flächen profitieren

Beide Zielarten sind bodenbrütend und brauchen ein fein abgestimmtes Zusammenspiel aus Offenheit und Deckung. In einer ausgeräumten Feldflur fehlen oft genau die Übergänge: Brachen, Säume, lückige Stellen, blütenreiche Bereiche und sichere Rückzugsräume.

Ein gut geplantes Feldvogel-Habitat wirkt deshalb auf mehreren Ebenen:

  • Es schafft Brutplätze mit ausreichender Deckung
  • Es erhöht das Insektenangebot (wichtig für die Aufzucht der Küken)
  • Es bietet ganzjährig Struktur und Schutz
  • Es stärkt die Biodiversität der Agrarlandschaft insgesamt (auch für Heuschrecken, Tagfalter, Käfer und Wildbienen)

Ein Projekt, das auch über die Zielarten hinaus wirkt

So sehr Grauammer und Rebhuhn im Mittelpunkt stehen, profitiert das gesamte Ökosystem. Mehrjährige Brachen und artenreiches Grünland erhöhen die floristische Vielfalt, schaffen Nahrungsnetze und verbessern die Lebensraumsituation für zahlreiche weitere Arten. Gleichzeitig entstehen Trittsteine im Biotopverbund einer Kulturlandschaft, die vielerorts intensiv genutzt wird.

Warum Unterstützung hier einen Unterschied macht

Renaturierung und Artenschutz in der Agrarlandschaft funktionieren am besten, wenn Maßnahmen langfristig angelegt sind und die Pflege gesichert ist. Dieses Projekt zeigt, wie aus einer Ackerfläche ein vielfältiger Lebensraum werden kann, der gefährdeten Feldvögeln wieder Raum gibt – und gleichzeitig die Natur in einer Region stärkt, die ohnehin schon zu den bedeutenden Feucht- und Vogelräumen Süddeutschlands zählt.

Wer solche Projekte unterstützt, unterstützt damit ganz konkret: Strukturvielfalt, Artenvielfalt und die Rückkehr von Charakterarten der Feldflur – direkt vor Ort im Donauried.